B2B-Großhandels-Onlineshop: was sich ändert, wenn der Kunde ein Unternehmen ist
Großhandel online ist kein normaler Shop mit Rabatten. Der Kunde bestellt nach Liste, ordert ständig nach, verhandelt Zahlungsziele und braucht für alles eine Rechnung. Der Shop muss dafür gebaut sein.
5. Januar 20235 Min. LesezeitIn diesem Artikel
Der Großhandelseinkäufer stöbert nicht: Er arbeitet. Er kommt nicht, um Produkte zu entdecken, sondern um Bestand aufzufüllen. Er bestellt 40 Positionen auf einmal, kennt die Artikelnummern auswendig, erwartet seinen verhandelten Preis — nicht den Listenpreis — und braucht die Rechnung, ohne danach zu fragen. Ein B2B-Shop, der diesen Einkäufer wie einen Konsumenten durch hübsche Kategorien spazieren lässt, stiehlt ihm Zeit — und er löst das, indem er zum WhatsApp-Katalog und zum gewohnten Außendienstler zurückkehrt.
Das ist der Maßstab, gegen den du antrittst: nicht ein anderer Onlineshop, sondern die Gewohnheit der telefonischen Bestellung. Dieser Guide zeigt, was ein Großhandelsshop wirklich braucht und was du dir sparen kannst — aufbauend auf der kompletten Anleitung für den Onlineshop.
Was sich gegenüber dem Endkundengeschäft wirklich ändert
| Aspekt | B2C-Shop | B2B-Großhandelsshop |
|---|---|---|
| Wer kauft | Jeder, der vorbeikommt | Freigegebene Kunden mit Konto |
| Preise | Einer, öffentlich | Nach Menge und Kunde; teils verborgen |
| Typische Bestellung | 1-3 Produkte | Dutzende Positionen, nach Artikelnummer |
| Frequenz | Gelegentlich | Wiederkehrend: die Nachbestellung ist das Herz |
| Zahlung | Karte sofort | Ziel 15/30/60 Tage, Überweisung |
| Mindestmengen | Keine | Je Bestellung oder je Position |
| Rechnung | Optional | Pflicht, mit vollständigen Steuerdaten |
| Entscheidung | Emotional und schnell | Rational: Wiederverkaufsmarge und Umschlag |
Die praktische Folge: Fast alles, was einen B2C-Shop verkaufen lässt — Dringlichkeit, Stimmungsfotos, Blitzrabatte —, ist im B2B Rauschen. Hier verkauft Effizienz: dass die Nachbestellung fünf Minuten dauert statt eines Zwanzig-Minuten-Telefonats.
Freigegebene Konten und Preise je Kunde
Die erste strukturelle Entscheidung: Wer sieht was? Im Großhandel gibt es fast immer unterschiedliche Konditionen je Kunde, und das bestimmt die Architektur des Shops.
- Registrierung mit manueller Freigabe. Der Kunde beantragt ein Konto mit seinen Firmendaten; du gibst frei und weist die Preisliste zu. Das ist das Standardmodell.
- Sichtbarer Katalog, verborgene Preise. Jeder sieht, was du führst; Preise erscheinen nach dem Login. Gut, um Neukunden zu gewinnen, ohne Konditionen offenzulegen.
- Preisstufen nach Menge (Einzelhandel, Großhandel, Distributor) statt individueller Kundenpreise: deutlich leichter zu pflegen.
- Mengenrabatte sichtbar auf der Produktseite: "ab 12 Stück: X € · ab 48: Y €". Hebt den Bestellwert ohne Verhandlung.
- Klarer, automatischer Mindestbestellwert, keine Notiz, die der Kunde erst am Ende entdeckt.
Die Nachbestellung: die Funktion mit dem meisten Umsatz
Im B2B ist nicht der erste Kauf der wichtige, sondern der vierzigste. Dein Kunde füllt alle zwei Wochen dasselbe auf, und jede Reibung in diesem Ablauf treibt ihn zurück ans Telefon. Die umsatzstärksten Funktionen eines Großhandelsshops sind langweilig und entscheidend:
- Letzte Bestellung wiederholen mit einem Klick, Mengen darauf anpassen.
- Schnellbestellung nach Artikelnummer: eine Tabelle, in die der Kunde Nummern und Mengen einträgt, ohne zu navigieren.
- Gespeicherte Listen ("14-Tage-Bestellung", "Hochsaison"), einmal angelegt und wiederverwendet.
- Historie mit verhandelten Preisen: was, wann, zu welchem Preis.
- Echtzeitbestand je Position. Der Großhändler plant seinen Einkauf; das überraschende "ausverkauft" im Warenkorb zerstört Vertrauen.
- Bestellung als Excel oder PDF exportieren, denn auch dein Kunde hat einen Chef, der Einkäufe freigibt.
Verkaufst du bereits über einen gedruckten oder PDF-Katalog, ist der natürliche Schritt die Digitalisierung mit eingebauter Bestellung — der Weg steht in ein digitaler Katalog, der verkauft. Ein B2B-Shop ist im Kern dieser Katalog plus Konten, Preise und Nachbestellung.
Zahlung, Zahlungsziel und Rechnung
B2B zahlt nicht mit Karte an der Kasse — jedenfalls nicht immer. Das Zahlungsmodell des Konsumenten zu erzwingen ist ein weiterer Weg, den Kunden in den alten Kanal zurückzuschicken.
- Biete Überweisung und Kauf auf Rechnung an, nicht nur einen Zahlungsanbieter. Die regionalen Optionen stehen in Zahlungsanbieter in Ecuador und LATAM.
- Zahlungsziel je freigegebenem Kunden: Limit und Frist (15/30/60 Tage) im Adminbereich zugewiesen; die Bestellung läuft als "auf Ziel" ohne Onlinezahlung ein.
- Sichtbarer Kontoauszug: offene, überfällige und bezahlte Rechnungen. Spart die Hälfte der Mahnanrufe.
- Automatische Rechnung mit Steuerdaten, einmal im Konto hinterlegt statt bei jedem Kauf abgefragt.
- Sanfte Sperre bei Verzug: Wer überfällige Rechnungen hat, sieht den Katalog, bestätigt aber keine neue Bestellung, ohne mit dir zu sprechen.
Integration: wo B2B gewonnen oder verloren wird
Eine Großhandelsbestellung mit 40 Positionen lässt sich nicht von Hand ins Rechnungssystem übertragen: Jedes Abtippen ist ein Fehler, der auf seinen Auftritt wartet. Ein B2B-Shop zahlt sich aus, wenn er mit dem spricht, was du schon nutzt — Warenwirtschaft, Rechnung, Buchhaltung. Was zuerst angebunden wird und wie man die Kosten bewertet, steht in Integrationen und APIs für dein Unternehmen.
- Zuerst der Bestand: Der Shop liest das echte Lager, auch wenn Bestellungen noch von Hand laufen.
- Dann die Rechnung: Die bestätigte Bestellung erzeugt die Rechnung ohne Abtippen.
- Zuletzt Buchhaltung und Mahnwesen, wenn das Volumen es rechtfertigt.
Typische Fehler beim Aufbau eines Großhandelsshops
- Einen B2C-Shop kopieren und die Preise verdecken. Nicht die Preise sind das Problem, sondern dass der ganze Ablauf für einen anderen Käufer gedacht ist.
- Onlinebestellung ab Tag eins zur Pflicht machen. Lass sie neben Außendienst und Telefon bestehen; der Shop gewinnt durch Bequemlichkeit, nicht durch Zwang.
- Konsumentenfotos und null Logistikdaten. Der Großhändler braucht Stück je Karton, Gewicht und Volumen für seine Frachtkalkulation.
- Den ganzen Katalog hinter dem Login verstecken. Ohne etwas Sichtbares hat ein Interessent keinen Grund, ein Konto zu beantragen.
- Den langjährigen Außendienstler übergehen. Gib ihm Zugang, um Bestellungen seiner Kunden zu erfassen: So wird der größte Gegner des Shops zu seinem besten Nutzer.
Häufige Fragen
Sollte ich Großhandelspreise öffentlich zeigen?
Das übliche und vernünftige Modell: Katalog öffentlich, Preise nach dem Login. So gewinnst du Neukunden, die sehen, was du führst, ohne deine Konditionen der Konkurrenz oder Endkunden offenzulegen. Ist deine Branche da unempfindlich, vereinfachen öffentliche Staffelpreise alles und filtern von selbst.
Kann ich Großhandel und Einzelhandel im selben Shop verkaufen?
Ja, mit getrennten Konten: Anonyme Besucher sehen Einzelhandelspreise, freigegebene Großhandelskunden nach dem Login ihre eigenen. Das funktioniert gut, solange der Katalog derselbe ist. Unterscheiden sich beide Geschäfte stark — Mindestmengen, Logistik, Sortiment —, machen zwei getrennte Shops meist weniger Ärger als einer voller Ausnahmen.
Wie überzeuge ich Kunden, online statt telefonisch zu bestellen?
Zwing sie nicht: Mach es bequemer. Die Ein-Klick-Nachbestellung, sichtbarer Bestand und der Kontoauszug sind echte Wechselgründe. Ein Anstoß hilft — ein kleiner Rabatt auf die ersten Onlinebestellungen oder Versandpriorität — und erfasse die erste Bestellung selbst, damit der Kunde eine gefüllte Historie vorfindet.
Muss ich den Shop von Anfang an mit meinem System verbinden?
Nicht ab Tag eins, aber bald. Beginne mit dem Lesen des echten Bestands — die Anbindung mit dem besten Ertrag — und bearbeite Bestellungen von Hand, solange das Volumen klein ist. Ab etwa 20-30 Bestellungen pro Woche ist die Rechnungsanbindung nicht mehr optional: Manuelles Abtippen erzeugt in dieser Größenordnung mehr Fehler, als irgendjemand auffangen kann.